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Jazz als multidimensionales Erlebnis

2. Juni 2006 in Reviews

 Peter Apfelbaum & The New York Hieroglyphics

Peter Apfelbaum & The New York Hieroglyphics luden am
Dienstag im Spielboden zu einer musikalischen Entdeckungsreise die nach
Innen führte.

Gäbe es die Jazz& Reihe im Spielboden nicht, man müsste glatt in
den Big Apple reisen, um Peter Apfelbaum & The New York
Hieroglyphics in einem der sagenhaften Jazzlokale Manhattans zu
erleben. Auch wenn das in Jazzkreisen mit Spannung erwartete Album It
Is Written der 2003 durch Apfelbaum reformierten Hieroglyphics für
Hörgenuss in den eigenen vier Wänden zu sorgen weiß, für einen
Konzertbesuch des begnadeten Musikers und seiner superben
instrumentalen Besetzung gibt es keinen Vergleich.

Denn live wird die besondere Mischung aus Westcoast und
Big-Apple-Feeling, die es mühelos fertig bringt, nahezu sämtliche
musikalischen Äußerungsformen, sei es zeitgenössische Klassik, Blues
oder Reggae, zu integrieren, zur unvergesslichen musikalischen
Hörerfahrung.

Prelude, der schwebend atmosphärische Opener des neuen Albums,
eröffnete auch das Konzert im Spielboden und deutete an, wohin die
Reise an diesem Abend gehen würde  in die für Apfelbaum typische
polyrhythmische vielschichtige akustische Welt, die auf einer
kompositorischen Methodik gründet, die eigentlich keine ist.
Undefinierbare Melodien im Zustand konstanter Vorwärtsbewegung bilden
bei Apfelbaum die Metapher für den dem Leben eigenen Prozess des
Erforschens und Entdeckens. Getragen von der eine solide Basis
schaffenden Rhythmussektion, schickten die Bläser satte Klangteppiche,
aber auch beeindruckende Soloparts in den Äther, die sich jedoch nicht
 wie in der leider allzu oft üblichen Manier  vom darunter liegenden
Sound verabschiedeten, sondern diesen mit in neue Sphären nahmen.

Diese Art der Jazzmusik, die sich nicht festmachen lässt wie der
Radetzkymarsch, zwingt notgedrungen nicht nur zum Loslassen statischer
Vorstellungen, sondern bringt Menschen auch dazu, über sich und die
Welt in der sie leben nachzudenken. Vielleicht ein Mitgrund, weshalb
Jazz in einer Welt der Berechen- und Vorhersehbarkeit nie mehr wie ein
Nischenpublikum erreichen wird. Schade eigentlich.