Emotionaler Ausnahmezustand
25. September 2010 in Reviews
Die amerikanische Band Eels rockte am 14. September im neuen Event Center Hohenems.
Wer Mark Oliver Everett, im Künstlername schlicht E, Leadsänger der Band Eels, aus den Videos seines vorletzten Albums „End Times“ oder aus seinem Dokumentarfilm „Parallel worlds, parallel lifes“ kennt, weiß, dass er sehr feinfühlig, melancholisch und zerbrechlich sein kann. In seinen langsamen Nummern öffnen sich Gefühlswelten, die man dem bärtigen Mann, Sohn eines berühmten Quantenphysikers, auf den ersten Blick nicht ansehen würde.
Eingehüllt in Kopftuch, Brille und Bart betrat er allein die Bühne. In diese emotionale Gefühlslage des Verlassenenseins beförderte E das Publikum in Hohenems mit seinen ersten drei Songs, zwei davon eben von seinem Album „End Times“, in eine Ausnahmelage. Man spürte förmlich wie die Endzeit gekommen war. Doch dann durchbrach er diesen emotionalen Tiefgang mit knackigem Rock, verstärkt nun durch seine grandios aufspielenden Bandmitglieder. Mit „She said yeah“ von den Rolling Stones und mit „Summer in the city“ von The Lovin Spoonful wurden sie auch ihrem Ruf gerecht, nach Lust und Laune Coversongs zu präsentieren. Der Wechsel zwischen langsamen Songs und Vollgasrock funktionierte in der Folge genauso gut wie das Wechseln der Gitarren, von denen E ausgiebig gebrauch machte. Auch für Überraschungen waren die Eels zu haben. Ihren Allzeit-Klassiker „I like birds“ spielten sie im doppelten Tempo, ganz nebenbei überzeugten die bärtigen Mannen zudem mit genialen Blues-Soli. Ein etwas abrupter Schluss und lediglich eine Zugabe setzten dem hervorragenden Konzertabend leider ein zu frühes Ende.
Der Sound kam im neue renovierten Event Center besonders gut zur Geltung, eine neue Wandverkleidung und ein Hartgummiboden machten es möglich. Atmosphärisch bedeutet dieser Umbau auch ein optischer Zugewinn, fühlt man sich doch durch die Clubstimmung nun sehr gut aufgehoben. Goldlöckchen Alice Gold und der Illusionskünstler Edi 2000 verzauberten im Vorprogramm das Publikum mit rockigem Engelsgesang und schrägem Zauberspektakel.
