Via Matto: Postpunk mit beruhigendem Flair

9. April 2011 in Albumreviews

Vor knapp drei Jahren gegründet hat sich die grenzübergreifende Rheintaler Band Via Matto eine beachtliche Fangemeinde erspielt. Jetzt ist ihr Debütalbum erschienen, das sie am 17. März um 20 Uhr im Feldkircher Saumarkt präsentierten.

Beruhigend, tröstlich und wohlig, so werden die Songs durch den Albumtitel („comforting songs“) vorab angekündigt. Das Reinhören bestätigt es aufs Allerbeste: Slowcore Chansons treffen auf langsame Rocknummern, unaufdringliche Gitarrenriffs und Pickings (gespielt von Bernhard Jehle) schmelzen mit präzisen Basslines (Christian Manni) legere zu einer Einheit zusammen. Der unwiderstehlich leichte Gesang von Sängerin Ingrid Maria Köchle sticht dabei markant heraus. Ein Hauch von Folk, ein bisschen Blues, in den kleinen Details hört man die Bandbreite dieser Band eindrücklich heraus. Ein relativ dezentes Schlagzeug (Ronald Pschenitschnigg, reingedroschen wird anderswo) setzt die Akzente bei den richtigen Parts.

Nicht von irgendwoher kommt die Covergestaltung: Gabi Ott verwendet ein Äffchen und eine Eule, die beruhigende und eine beschützende Funktion haben, passendend zu den Songs.

Aufgenommen diesen Jänner im Mamba Tonstudio in Altenstadt gestaltet sich der Sound bei einem Großteil der Songs nachdenklich und melancholisch. Bernhard Jehle unterstützt dabei an einigen Stellen gekonnt die Leadsängerin, mit tiefer, schreiender und dann wieder beruhigender Stimme.  Ein Highlight auf dem Album: Das wunderbar melodisch und textlich tiefgründige „Pray For Me“. Herzzerreißend wie hier mit wenigen, verdichteten Worten Liebe und der Hilferuf nach Zuneigung besungen wird.

Vereinzelt räudige Post-Punk Nummern wie „Not The Right Man“ oder „Contenance“ bilden sozusagen die wohlige Ausnahmen und durchbrechen mit knallenden Gitarren, einem heftig pulsierenden Schlagzeug und der schreienden, schrägen Stimme der Sängerin die ruhige Atmosphäre. Hier wird getrost auf den tröstenden Charakter der Songs verzichtet.

Auch an ein Lied mit deutschen Text („Walfisch“) wagt sich Via Matto heran. Die Analogie eines Walfisches, der im Schlamm feststeckt geht als Bild auf und entfaltet völlig klischeefrei die Sehnsucht nach Freiheit und Befreiung. Schwer genug, treffende Bilder für ein solch hundert Mal besungenes Thema zu finden. Hier gelingt es auf eine einfache Weise.