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The Cortège – One Take Shake

14. September 2011 in Albumreviews

Die Londoner Band mit Neo-Londoner Phil Krasser am Bass präsentieren auf ihrer EP „One take shake“ gepflegten britischen Rock mit leichtem Punkeinschlag. Der „Trauerzug“ (eine der Übersetzungen für cortège, was würde die Welt ohne Wiki tun?), klingt überhaupt nicht nach einem solchen, denn hier wird im Garagenstil kräftig in die Gitarre reingedroschen und fette Basslines gespielt.

Meint der werte Hörer beim Opener „straightheart“ an eine Ballade geraten zu sein, dann wird dieser Irrtum schnell mit einer harten Gitarre gekontert. Die melancholische Stimme von Sänger Baz gibt dem Sound eine spezielle Tönung, die einen Hauch von Dark Wave durchklingen lässt. Dieser Stil zieht sich durch alle vier Nummern durch.

„Clones“ bringt einen treibenden Bass und einen fast hymnischen Refrain. „Sentient“ besticht durch die Staccatogitarre und durch Rockelemente, „Half light“ durch einen ruhigen Verse.

Diese ungewöhnliche Mischung kann nur von der Sex Pistols-The Cure-New Model Army Insel kommen, Europa hat so was selten zu bieten. Nach mehrmaligem Durchlauf entfaltet sich die EP zu einem kleinen Glanzstück.

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von MineMusig

The Flight Of Apollo – Jupiter

4. Juli 2011 in Albumreviews

Gewundert hätte es mich ja, wenn da nix g’scheites dabei rausgekommen wäre – sind sie doch alle schon seit geraumer Zeit fixer Bestandteil der Vorarlberger Musikszene: “The Flight of Apollo” ist von Johannes Ganahl (Crash, Crashpot, klOnk,…) gegründet worden.

Mit Jupiter bringt die Band ihre erste CD und 11 Songs auf den Markt – fünf erfahrene Musiker, die etwas Neues erschafft haben. Die Musik besticht in ihrer Einzigartigkeit durch die Verschiedenheit der Elemente. Von Klassik zu Metal, von Grunge zu Techno – einzelne Teile sind wunderbar zu einem harmonisch Ganzen vereint. Softe Rockballaden vermischen sich mühelos mit harter Headbanging Aktivität. Dieser “new Sound of Music” ist Teil eines neuen österreichischen Musikselbstverständnisses. “The Flight of Apollo” fliegt seine eigene Route und ist deshalb stets für eine Überraschung gut – ohne jedoch in die Abstraktheit abzugleiten. Deshalb ist “The Flight of Apollo” auch gleichzeitig die Maxime, das Programm: Der Aufbruch zu Neuem, zu Unbekanntem, ein Aufbruch, bei dem das Unmögliche möglich gemacht wird – der Flug zu neuen musikalischen Welten.

Songwriter: Johannes Ganahl

Lyrics: Marc Hollenstein

…so beschreibt sich die Band selbst.

[amazon-mp3]7d5a5a24-7f65-4a32-b358-7ce44f55cd60[/amazon-mp3]Was sich anhand des an mich gesendeten Tonträgers durch meine Gehörwindungen gedreht hat, steht dem oben gesagten in nichts nach. Perfekt produzierte Tracks irgendwo zwischen Electronic und Prog-Rock/Pop führen den Hörer durch eine musikalische Reise, die ausserhalb der regionalen Alpen ihr Ende findet – das beweist schon der erste Track, “Airborne”, welcher ganz schön fett daherkommt. Dass da Mannen am Werk sind, die ihr Handwerk verstehen und längst routiniert haben, wir mit jedem Song deutlichter. Mir als Aussenstehendem kommen v.a. zwei Bands in den Sinn, die ich als für mich hörbare Einflüsse deklarieren kann: zum Einen erinnern mich mehrere Songs an NIN (allen voran “X-Ray Generation”) und zum Anderen – was die Gitarrenarrangements anbelangt – meinte ich, dezente Spuren der letztzen beiden Alben von Muse zu hören. Darauf möchte ich aber weder die Band noch mit selbst festnageln – aus eigener Erfahrung kenne ich das Gefühl “wie kommt denn der darauf, uns mit denen zu vergleichen”…

Die Vielzahl der verwendeten Instrumentierungen und Stilrichtungen macht es generell schwer, die Band in eine bestimmte Schublade zu stecken und das lässt für zukünftige Releases sehr viel Spielraum offen. Es tut jedenfalls gut, zu wissen, dass Vorarlberg nicht nur eine Masse an Bands beherbergt, sondern auch Brutstätte für international taugliche Formationen ist. Daumen hoch!

 

Leichtfüßig und spanisch

28. April 2011 in Albumreviews

Mit ihrem neuen Album „Alameda“ verführt die dreiköpfige Formation den Zuhörer in spanische Gefilde.

Die Blues- und Rockbarden können ganz offensichtlich auch anders. Stefan Szalay, langjähriger Gitarrist der in den 80er und 90er Jahren bekannten Bluesband „Never Do Well“ und Hannes Schneeberger, nach wie vor Bassist in der „Blue Monday Blues Band“, gründeten vor drei Jahren gemeinsam mit Percussionist Hubert Sander die Band „Mas o Menos“ und stellten so ihre Liebe zur spanischen Musik unter Beweis. So auch auf ihrem aktuellen Album „Alameda“, das einen starken Zug zu Flamenco aber auch zu Gitarren easy listening aufweist. Die leichtfüßige Kompositionen und Arrangements von Stefan Szalay versetzen einen in  träumerische Stimmung,  zu einem ausladenenden Fest auf einer spanischen Finca mit Gitarrenmusik und Wein.  Songs wie „Mr. Nobody“ bestechen durch ihre Vielseitigkeit und Eleganz, das ruhige „Caminos“ wartet wiederum mit leichten Verfremdungseffekten auf.

Komplettiert wird das Trio durch die spanische Gastsängerin Yolanda Vera. Auf vier der insgesamt elf  Stücken singt sie temperamentvoll und ausdrucksstark. Zwei davon sind Eigenkompositionen, von denen „Tan Especial“ wohl eines der schönsten und berührenendsten  Stücke dieser CD ist. Ihre weiche, klare Stimme ist definitiv eine Bereicherung für Mas o Menos.

Bei den drei Coversongs, die auf dem Album enthalten sind, hat die Band am Bekanntheitsgrad der Nummern nicht gegeizt. „Sultan of Swing“ von den Dire Straits, „Hijo de la luna“ von José Mario Cano und „Por Tu Ausencia“ von Manzanita sind gut eingeprägte Klassiker im kollektiven Musikgedächtnis.  Umso schwerer ist es, sie auf neue Weise zu interpretieren. Mas o Menos haben davor keine Scheu und auf ihre beschwingte Art gelingt es ihnen auch. Rock n’ Roll zieh deine Schuhe aus, die „mehr oder weniger“ (mas o menos) spanisch angehauchte Songs verführen zu einem neuen, anderen Hinhören.

Via Matto: Postpunk mit beruhigendem Flair

9. April 2011 in Albumreviews

Vor knapp drei Jahren gegründet hat sich die grenzübergreifende Rheintaler Band Via Matto eine beachtliche Fangemeinde erspielt. Jetzt ist ihr Debütalbum erschienen, das sie am 17. März um 20 Uhr im Feldkircher Saumarkt präsentierten.

Beruhigend, tröstlich und wohlig, so werden die Songs durch den Albumtitel („comforting songs“) vorab angekündigt. Das Reinhören bestätigt es aufs Allerbeste: Slowcore Chansons treffen auf langsame Rocknummern, unaufdringliche Gitarrenriffs und Pickings (gespielt von Bernhard Jehle) schmelzen mit präzisen Basslines (Christian Manni) legere zu einer Einheit zusammen. Der unwiderstehlich leichte Gesang von Sängerin Ingrid Maria Köchle sticht dabei markant heraus. Ein Hauch von Folk, ein bisschen Blues, in den kleinen Details hört man die Bandbreite dieser Band eindrücklich heraus. Ein relativ dezentes Schlagzeug (Ronald Pschenitschnigg, reingedroschen wird anderswo) setzt die Akzente bei den richtigen Parts.

Nicht von irgendwoher kommt die Covergestaltung: Gabi Ott verwendet ein Äffchen und eine Eule, die beruhigende und eine beschützende Funktion haben, passendend zu den Songs.

Aufgenommen diesen Jänner im Mamba Tonstudio in Altenstadt gestaltet sich der Sound bei einem Großteil der Songs nachdenklich und melancholisch. Bernhard Jehle unterstützt dabei an einigen Stellen gekonnt die Leadsängerin, mit tiefer, schreiender und dann wieder beruhigender Stimme.  Ein Highlight auf dem Album: Das wunderbar melodisch und textlich tiefgründige „Pray For Me“. Herzzerreißend wie hier mit wenigen, verdichteten Worten Liebe und der Hilferuf nach Zuneigung besungen wird.

Vereinzelt räudige Post-Punk Nummern wie „Not The Right Man“ oder „Contenance“ bilden sozusagen die wohlige Ausnahmen und durchbrechen mit knallenden Gitarren, einem heftig pulsierenden Schlagzeug und der schreienden, schrägen Stimme der Sängerin die ruhige Atmosphäre. Hier wird getrost auf den tröstenden Charakter der Songs verzichtet.

Auch an ein Lied mit deutschen Text („Walfisch“) wagt sich Via Matto heran. Die Analogie eines Walfisches, der im Schlamm feststeckt geht als Bild auf und entfaltet völlig klischeefrei die Sehnsucht nach Freiheit und Befreiung. Schwer genug, treffende Bilder für ein solch hundert Mal besungenes Thema zu finden. Hier gelingt es auf eine einfache Weise.

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von MineMusig

Robert Plant – Band Of Joy

9. Januar 2011 in Albumreviews

Als uns die Nachricht zu Ohren kam, dass Robert Plant eine neue Platte, “Band Of Joy”, veröffentlichten würde, sorgte dies für einige Verwirrung in der Redaktion. Band Of Joy? Kenner wissen Bescheid, war das doch die Band, mit der Plant vor ca. 40 Jahren erste musikalische Gehversuche unternahm, bevor er dann mit Led Zeppelin zum Höhenflug ansetzte.
“Band Of Joy” – vielleicht eine Art nostalgische Erinnerung an ‘alte Zeiten’? Denn so ist die kommende Platte tatsächlich tituliert, die an das gemeinsam mit der Country-Sängerin Alison Krauss vor drei Jahren veröffentlichte, sehr erfolgreiche Album Raising Sand anknüpft. Fünf Grammys konnte der Sänger zusammen mit seiner Duett-Partnerin nach Hause tragen, und mit über drei Millionen verkaufter Silberlinge ist dies sogar eine der erfolgreichsten Scheiben im Jahr 2007.
Wer, so wie ich, sämtliche Solo-Veröffentlichungen des Künstlers in seinem Platten-Regal gehortet hat, weiß um die Experimentierfreudigkeit des ehemaligen Zeppelin-Fronters. Keine Scheibe gleicht der anderen, immer wieder versucht Plant neue Wege zu gehen und mit den unterschiedlichsten Soundcollagen zu spielen. So hofiert er nicht nur dem guten alten Blues bzw. Blues Rock oder Rockabilly sondern flirtet mit Folk, Country, Bluegrass, R&B, Gospel, Soul, kokettiert aber auch gern mit orientalischen und afrikanischen Klängen. Selbst wenn seine ersten Veröffentlichungen eher Blues-, Rock- bis Pop-orientiert waren, wurden die kommenden Werke doch zunehmend experimenteller. Mit der Veröffentlichung von Now And Zen, spätestens aber mit Manic Nirvana wurde klar, wohin die musikalische Reise des Robert Plant geht: »Es wird experimentiert, was das Zeug herhält…«
Mit “Raising Sand” betrat Plant fast schon ‘Neuland’ und vermutlich gab es den einen oder anderen Zweifler darüber, dass Rock und Bluegrass bestimmt nicht miteinander harmonieren können. Krauss und Plant belehrten alle Skeptiker eines Besseren.
“Band Of Joy” soll nun noch eins draufsetzen. Unterstützung für sein Vorhaben bekam er von einer fünfköpfigen Crew renommierter Musikergrößen aus Nashville, u.a. mit dabei: Gitarrenlegende Buddy Miller. Dieser stand ihm auch als Co-Produzent hilfreich zur Seite.
Und wieder einmal hat der Meister in der großartigen musikalischen Schatzkiste vergangener Zeiten gekramt und förderte ein Schätzchen nach dem anderen zu Tage, die er nicht einfach als Coverversionen aufpoliert hat, sondern – wie schon so oft – gründlich entstaubt und mit viel Inspiration, ganz nach Plant‘scher Art umarrangiert hat, bevor die Nummern den Weg auf die Platte fanden. Dabei macht er nicht nur eine musikalische Reise durch die Jahrhunderte, sondern offensichtlich auch durch seine eigene solistische Vergangenheit, denn so mancher Song könnte auf Grund der musikalischen Umgestaltung von einem seiner früheren Werke stammen.
Seit dem Vorgängerwerk greift Plant offensichtlich gern auch auf Duettgesänge (hier mit Patty Griffin) zurück. Seine eigenen Vocals setzt er aus gutem Grund bewusst sorgfältig ein, denn er weiß – im Gegensatz zu so manch einem seiner Berufskollegen seines Alters – was er diesen noch zumuten kann. Zum Einsatz kommen hauptsächlich die Mandoline, das Banjo und die gute alte Pedal Steel Guitar, so dass die Stücke den Roots Rock richtig atmen können.
Und doch kann ich mich nicht ganz des Eindruckes erwehren, dass die Post-Zeppelin-Ära trotz allem Roots-Anstrich eine gewisse Rolle bei der Produktion des Silberlings gespielt hat.
Der Opener, Los Lobos’ “Angel Dance” zum Beispiel hätte sehr gut auch auf “Manic Nirvana” gepasst. “House Of Cards” von Richard Thompson mit seinem Folk-Anstrich wäre genau so wenig ein Fremdkörper auf “Rising Sand” wie “Silver Rider” und “Monkey” (beide stammen ursprünglich aus der Feder der leider sehr unterschätzten US-Rocker Low).
Das locker-flockige “You Can’t Buy My Love” von Barbara Lynn, auf Plant‘sche Art vorgetragen wäre eine Bereicherung für Pictures At Eleven, “I’m Falling In Love Again” atmet den Zeitgeist der Honeydrippers.
“Harm’s Swift Way” (Townes Van Zandt) und “The Only Sound That Matters” erinnern mich etwas an die Lockerheit von “If I Were A Carpenter” und hätten vermutlich beide auf “Fate Of Nation” eine recht gute Figur gemacht und das mit einem Banjo veredelte “Satan Your Kingdom Must Come Down” könnte gut und gerne von der “Manic Nirvana”-Platte stammen. Das Jahr 2005 wird auch nicht ausgelassen: “Even This Shall Pass Away” wäre auf Mighty ReArranger ebenfalls nicht deplatziert gewesen.
“Raising Sand” wurde von mir mit der höchsten RockTimes-Auszeichnung, dem Tipp geadelt. Was soll nun eigentlich noch kommen?
Mit dieser Platte hat sich Robert Plant jedoch wieder einmal selbst übertroffen, denn “Band Of Joy” ist eines seiner interessantesten, reizvollsten Alben, dass er bisher abgeliefert hat, zwar ohne Ecken und Kanten, dafür aber einfach nur herzerweichend schön. Ich kann unserer Kollegin Grit-Marina Müller nur zustimmen: »irrer Sound, klasse Stil und feinste Arrangements!«
Der Mann ist wie guter Wein – je älter, um so besser.
Da ich gerade guten Wein erwähnte: Ich jedenfalls gönne mir jetzt einen vollmundig-süffigen Dornfelder von unserem Lieblingswinzer und der Scheibe noch einige Hördurchgänge, bin mir aber sicher, dass diese ein weiterer Anwärter für meine ‘Platte des Jahres’ werden könnte.
Ich kann jeden Käufer nur vorwarnen: Passt auf – Euch erwartet ein echtes Wechselbad der Gefühle und – Suchtgefahr!