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Peter Henisch: Morrisons Versteck

19. September 2011 in Buchrezensionen

Zum 40. Todesjahr legt der Haymon Verlag das 1991 im Residenz Verlag erschienen Buch neu auf. Eine literarische Annäherung an den Mythos.

Eine weitere Biographie, in Literatur gegossen? Mitnichten. Henisch greift eine, wenn auch nicht sehr neue Theorie auf, nämlich die, dass Jim Morrison, the Lizzard King, noch unter den Lebenden weilt, wie auch Elvis und die anderen viel zu früh verstorbenen Kumpanen.

Petra, eine der Romanfiguren, trifft in einem Park einen etwas heruntergekommen Mann, der sich zu ihrem Erschrecken als Exhibitionist zu erkennen gibt und im Aussehen stark an Jim Morrison erinnert. (Witzig, Jim Morrison weilt nicht auf einer Südseeinsel, sondern in einem biederen Park und frönt etwas eigenartigen Sexualpraktiken.) Daraufhin schreibt sie ihrer Jugendliebe und Literaten Paul mehrere detailreiche Briefe und die Bitte, er solle sich um die Biographie und das wahre Verbleiben von Jim kümmern.

Filmemacher und Poet: Diese interessante Recherche lässt sich Paul nicht entgehen und er wandelt bald in Los Angeles auf den Spuren von Jim Morrison. Er trifft dabei nicht gleich auf seine Musik, sondern vielmehr auf Jims literarische und filmische Versuche. Jims legendärer Semesterfilm von Jim bleibt weiterhin verschollen. Sofort tauchen beim Lesen Bilder der Oliver Stone Verfilmung „The Doors“ auf. Morrison als junger Filmemacher und Poet. An manchen Stellen ergeben sich wahrscheinlich durchaus gewollte Deja vu Effekte. Und KennerInnen der Jim Morisson Biographien wird wohl in diesem Buch nicht allzu viel überraschen. Sie werden viele Songzitate wiedererkennen.

Spannende biographische Details, wie z.B. das Jim im 1. Semester Biologie und Soziologie studierte, und die poetische Tagträume der Romanfigur Paul geben der Geschichte den nötigen Drive. Immer wieder Songfetzen, Szenenwechsel und Überblendungen.

Turn out the lights: Den Abgang von Jim hält Henisch etwas mythisch offen, indem er die verschiedenen Umstände seines Tods ineinander verwebt. Jim wenige Stunden zuvor im bekannten Lokal  „Rock n’ Roll Circus“, gut eingedeckt mit Heroin, dann in der Badewanne, weil er sich vor sich selber ekelte, und kein „The End“ als Soundtrack zu alldem. Manchmal trägt der Autor zu dick und offensichtlich auf, aber den wahren Morrison Fan wird das nicht weiter stören.

Alles in allem eine gelungene Collage, die etwas von dem Jim Morrison Mythos berührt, der jeden Teenager und Musikfreak fasziniert.