Wüstenrock bei 15 Grad Celsius
5. Oktober 2010 in Albumreviews
Mose ist anders. Das beweist die Vorarlberger Band bei ihrem sechsten, selbstbetitelten Album wieder aufs Eindrücklichste. Die Musiker von Mose bürsten den Zeitgeist konsequent gegen den Strich und bleiben ihrem Sound treu, der aus melancholischen, langsamen Stücken besteht. Sie verweigern sich damit jeglichem Mainstream. Glanzstücke auf dem neuen Album, wie zum Beispiel das tragisch„date with elvis“, sind wohl die beste Zusammenfassung dafür, was Mose ausmacht.
Manchmal wird ihr Sound als Wüstenrock bezeichnet, das bluesige Banjo und die Mundharmonika geben der Musik durchaus einen Westernrock-Anstrich. Die Frage ist nur, wo in Vorarlberg diese Wüste zu finden sei. „Wir spüren die Wüste, wenn wir nach der Probe in der Feldkircher Bahnhofsresti sitzen und um 23 Uhr ist schon Sperrstunde. Das ist sehr traurig“, so Markus Marte, Schlagzeuger der Band.
Für das Artwork der CD zeichnet der freischaffende Harald Gfader verantwortlich, der sich wie Mose „von Vorarlberg inspirieren lässt“. Das Motiv zeigt einige Quadratmeter des gfaderschen Atelierbodens, auf dem legendäre Treffen mit Mose stattfanden. Der Boden dient als Wesensmetapher und stellt einen recht direkten Bezug zum erdigen Mose-Sound her.
Die CD ist umgeben von einer Kartonhülle die wiederum in einem handbedrucktem Holzcase steckt. Jede CD-Hülle ist ein Unikat, das von Menschen der Lebenshilfe angefertigt wurde. „Das ist echte Qualitätsarbeit, sie machen es mit bedacht und langsam und das ist gut so. Die Arbeit ist ein Beitrag zur Entschleunigung, es steckt die Poesie der Hände darin“, so der Künstler Harald Gfader. „In einem Land, in dem Handarbeit meist als etwas Dreckiges gilt, besinnen sich diese Menschen auf das, was sie tun. Hier fängt Kulturarbeit an“. Der Konnex zwischen der Herstellung des Holzcases und der Musik von Mose könnte nicht besser zusammenpassen. Die langsame Musik, die auf nichts als sich selbst hinaus will und die Musiker, die keine Starallüren nötig haben, schaffen ein soziales und kulturelles Gut.
Ihre neue CD präsentierte Mose am 8. Oktober um 20 Uhr in der Johanniterkirche in Feldkirch, „einem Ort, an dem es zu jeder Jahreszeit 15 Grad Celsius hat, also ideal für unsere Musik. Ein wunderbarer Ort.“