Its Friday night, lets Rock n Roll
10. Oktober 2007 in Reviews
Die Schweizer Hardrocker von Gotthard kamen auf ihrer Domino Effect Tour Freitagabend nach Hohenems. Und brachten die Wände des Tennis.Event.Center zum Zittern.
Es gibt heute nicht mehr viele Rockbands, die sich noch daran erinnern, dass die Musik, die sie machen, eigentlich etwas mit Party zu tun hat. Und noch weniger Bands gibt es, die auch in der Lage sind, auf der Bühne zu liefern, wonach ihr Publikum verlangt. Gotthard ist eine
davon. Angeführt vom Ausnahmevokalisten Steve Lee, der mimisch generell etwas an Aerosmith’s Steven Tyler erinnerte, sorgte das Quintett am Freitag im hervorragend besuchten Hohenemser Tennis.Event.Center zwei Stunden lang für ein Ereignis, dem man rückblickend die Auszeichnung Großer Abend verleiht.
Über Geschmack lässt sich natürlich nicht streiten, Rockmusik dieser Art verlangt nach einem klaren Bekenntnis. Aber hier stimmte auch
dessen ungeachtet einfach alles. Gutes, teilweise hervorragendes Songwriting, knackige Performance, gesegnet mit einem satten Überschuss jener oftmals als Arroganz fehlinterpretierten Attitüde, ohne der sich nichts spielt im Rockstar-Universum.
Die Band eröffnete den Abend mit Master of Illusion, dem Opener ihres aktuellen Albums Domino Effect und stellten schon nach wenigen Akkorden klar, dass Gotthard sowohl musikalisch als auch in der Choreographie der Darbietung das Publikum mit Klischees des Rock zu bedienen weiß. Ob zerissene, ausgewaschene Jeans, lange, blonde Mähne (des Leadgitarristen Leo Leoni) oder Steve Lee, der in der Rolle des Leadsängers auch optisch seine Vorbilder nicht verleugnen kann: Hier werden gängige Muster zitiert, aber nicht unreflektiert sondern den eigenen Fähigkeiten entsprechend und deshalb durch und durch
sympathisch.
Das Programm der dargebotenen Nummern reichte von Fire Dance des selbstbetitelten Debut, über Lift U Up vom Album Lip Service bis zum Titeltrack des aktuellen Longplayers. Neben den Eigenkompositionen wurde auch der durch Deep Purple bekannt
gewordene Song Hush in einem interessanten Eigenarrangement zum Besten gegeben. Natürlich fehlte die obligatorische Unplugged Session nicht. Die Ballade One Life One Soul intonierte Lee, mit Akustikgitarren begleitet von Leo und Freddy, die selbstverständlich am Barhocker saßen.
Lee agierte auf der Bühne publikumsnahe uf Schwyzerdütsch. Seine rhythmische Präzision, nicht nur im Phrasing sondern auch in seinen
Bewegungen soll hier besonders hervorgehoben werden. Intonationssicher, auch bei Spitzentönen, gehört er derzeit sicher zu den besten Sängern in diesem Genre. Die sehr gut aufeinander eingespielten Musiker Marc Lynn (Bass) und Hena Habegger (Schlagzeug) bildeten in der Rhythm Section das stabile Fundament, auf dem die Gotthard-Songs aufgebaut sind.
Als Zugaben gab es nach begeistertem Applaus zunächst die sehr schöne nur vom Klavier (Nikola Fragile) begleitete Ballade Falling, gefolgt vom ebenfalls sehr ruhigen Heaven. Zum Schluss wünschte sich das Publikum den Titel Mighty Quinn. Die ebenfalls aus der Schweiz stammende Vorband Redeem spielte ihr Set solide. Das Trio (Gitarre/Gesang, Schlagzeug, Bass) verblasste aber im Vergleich zur Wucht des Gotthard.
